Die Penispeitsche unter den Poeten

Wer ist eigentlich Dr. Dragan Binder?

Drei Wörter, ein Mann: Doktor Dragan Binder. Den aufmerksameren unter meinen Lesern und hoffentlich auch Leserinnen - hoffentlich auch hochaparten Leserinnen! - als Friedensforscher und Aufputschmittelhistoriker wohlbekannt, fristet Dr. Dragan Binder noch immer ein Dasein am Rande der massenmedialen Aufmerksamkeit. Von seinen Verehrerinnen als Politikwissenschaftler der Herzen gefeiert, von den Dampfplauderern der digitalen Boheme bereits als das nächste große Ding angepriesen, lebt Dr. Dragan Binder bis zum heutigen Tag scheu und zurückgezogen in jenem Berliner Stadtbezirk, in dem ihn seine Ex-Freundin vor ein paar Jahren nach einer durchzechten Nacht am Straßenrand ausgesetzt hat, und widmet sich dort seinen seltsamen Studien sowie einigen überaus fragwürdigen Freizeitbeschäftigungen. In Ruhe wird Binder das allerdings nicht mehr lange tun können. Denn der leidenschaftliche Nebenerwerbsproktologe wird schon bald ein echter Weltstar sein!

Eine Frage drängt sich jetzt natürlich auf: Wer ist das eigentlich wirklich, dieser Dr. Dragan Binder?

Dr. Dragan Binder - ein Mann wie die Schwarzmeerküste? In Anbetracht dessen, dass ich diese Metapher selber nicht so ganz verstehe: nein. Ein Mann wie ein unheimlicher Unfall unterhalb Unnas unter Beteiligung von im Straßenverkehr unglaublich unerfahrenen Ungarn? Unwahrscheinlich! Ein Mann wie ein dreistündiger Nieselregen an der belgischen Nordseeküste, der aus einem Café heraus beobachtet wird von einem Mann, einem anderen Mann, dem soeben von einem dritten Mann, dessen Haarfarbe für den Fortgang dieser Kolumne so unerheblich ist wie das Schuhwerk von Helmut Muttgens aus Neu-Isenburg, eine Tasse Cappuccino, fein bestreut mit Schokostreuseln, serviert wird? Schon eher. Schon viel eher. Obwohl auch dieser Vergleich noch hinkt.

Apropos Vergleiche: Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass der allseits beliebte Vergleich, in dem Vergleiche mit Beinversehrten verglichen werden, seinerseits auch nicht gerade auf die allergesündeste Weise durch die Welt stolziert? Falls nicht, dann nehmen Sie sich bitte einmal die Zeit und denken sorgfältig darüber nach.

Aber schweifen wir zurück, zurück zu Dr. Binder. Verquere Vergleiche sind in seinem Fall vermutlich ohnehin verkehrt. Ich sollte viel unverblümter sagen, wie ich den guten Mann sehe.

Für mich ist Dr. Dragan Binder ein Faktotum. Ein lebendes Paradoxon. Ein Schelm, ein Schuft, eine Spitzbube. Ein Nepper, ein Schlepper, ein Kalte-Bauern-Fänger. Aber auch ein Geschichtsklitterer aus Leidenschaft und ein Herzensbrecher wider Willen. Ein Berliner aus verlorener Ehre. Ein Vollblutspätzlekoch. Ein schwäbisches Cowgirl. Ein Hansdampf in allen Gassen. Ein Hansdurst in allen Kneipen. Ein abgefeimter Skatprofi. Ein durchtriebener Laienprediger des ewigen Friedens. Ein Fußballgott mit starkem Hang zum schlimmen Spiel. Ein gefürchteter Omnibusfahrer. Ein Dorfbewohner aus Passion. Ein umherschweifender Possenreißer. Ein kosmopolitischer Bajazzo. Ein Streichelzoo der Allgemeinbildung. Ein Defätist von Graden. Komödiant und Spaßbremse in Personalunion. Ein staatlich geprüfter Vorzeigeschnösel. Ein unermüdlicher Eiferer gegen die Nachlässigkeit in Sportstudio und Gesellschaft. Ein scharfer Kritiker der Elche sowie der studentischen Art, sich zu kleiden. Ein Charles Chaplin des Universitätsbetriebs. Ein Bruno von Querfurt der Gegenwart ... und nicht zuletzt ein guter Vorwand, um endlich mal wieder eine völlig überdrehte Kolumne zu veröffentlichen.

Sie baden gerade Ihre Hände darin. (Oder jedenfalls so ähnlich.)

(zuerst veröffentlicht im Internetmagazin kolumnen.de)